Verwendung von urheberrechtlich geschützten Werken in Forschung und Lehre (VG Wort)

Die BuFaK WiSo schließt sich in Teilen der Stellungnahme der BuFaTa ET zum Thema VG Wort und der Verwendung von urheberrechtlich geschützten Werken in der Lehre an:

Im Jahr 2003 wurde das Urheberrechtsgesetz (UrhG), insbesondere durch das Hinzufügen von §52a „Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung“, geändert um eLearning-Maßnahmen zu erleichtern. Nach Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 20. März 2013 [1] sind ab dem 1. Januar 2016 alle Verwendungen von urheberrechtlich geschützten Quellen in Vorlesungsskripten an die VG Wort zu melden und einzeln abzurechnen. Zwar wurde die Frist auf den 1. Januar 2017 verschoben, dennoch hat dieses neue Abrechnungsverfahren zur Folge, dass das Erstellen und Pflegen von Skripten sowie Lern- und Lehrmaterialen deutlich aufwändiger wird.

Wie das Pilotprojekt aus Osnabrück im Wintersemester 2014/15 zeigt, leidet die Qualität von diesen bereitgestellten Materialien darunter massiv, da ein deutlicher Rückgang der Bereitstellungen erfolgt ist. Der Abschlussbericht [2] der Universität Osnabrück fasst dies folgendermaßen zusammen: „Wäre die Nutzung von § 52a UrhG für Sprachwerke gleich geblieben, hätten ca. viermal so viele Nutzungen wie beobachtet gemeldet werden müssen.“ Insgesamt hat sich im Rahmen des Pilotprojekts eine breite Abneigung gegen die einzelne Angabe aller verwendeten Zitate gezeigt.

Mit der Umsetzung des Gesetzes und besonders des gewählten Abrechnungsverfahrens ist die BuFaK WiSo nicht einverstanden und spricht sich dagegen aus.

Eine preiswerte und flächendeckende Verfügbarkeit von Lehrmaterialien unterstützt die Entwicklung eines modernen Hochschulwesens und ermöglicht allen StudentInnen unabhängig ihrer finanziellen Situation den Zugang zu Wissen. Diese Neuregelung wird die Qualität der Lehre und der Forschung nach unserer Einschätzung an den Hochschulen einschränken. Im heutigen Zeitalter hält es die BuFaK WiSo für einen Rückschritt, dass man DozentInnen entmutigt Lehrmaterialien digital bereitzustellen, indem der Aufwand unverhältnismäßig erhöht wird. Es steht die Befürchtung im Raum, dass in Zukunft stattdessen lediglich Literaturlisten bereitgestellt werden, welche den Zeitaufwand für die StudentInnen in ihrem Studium unnötig steigern. Durch die Neuregelung werden neue Lehrkonzepte im Rahmen des eLearning behindert anstatt diese zu fördern.

Das Pilotprojekt in Osnabrück hat gezeigt, dass die ausgebliebenen Nutzungen von Zitaten nach §52a UrhG nicht durch alternative Bereitstellungswege kompensiert wurden, sondern vor allem durch Verlagerung der Literaturbeschaffung auf die StudentInnen selbst. Für gerade einmal 10% der StudentInnen und 19 % der DozentInnen spielt eLearning in Osnabrück keine oder eine untergeordnete Rolle im Lehrbetrieb. Die bisherigen Regelungen ermöglichen es den DozentInnen über den reinen Vorlesungsinhalt hinaus Wissen und Informationen für die StudentInnen digital bereitzustellen.

Diese zusätzlichen und qualitativ hochwertigen Lehrmaterialien sind für die StudentInnen, insbesondere im Selbststudium, von besonderer Bedeutung, da diese eine Vertiefung des Unterrichtsstoffes ermöglichen. Die Skripte sind weitestgehend auf den Vorlesungsinhalt und damit auf die Schwerpunkte des jeweiligen Faches angepasst und eignen sich daher deutlich besser für die StudentInnen als eine bloße Literaturliste. Skripte sind für eine gute Lehre elementar. Ihre Existenz und Qualität sind für die Lehre unentbehrlich. Die Entscheidung des BGH gefährdet die weitere Bereitstellung dieser enorm. Die im Handel oder in den Bibliotheken erhältlichen Fachbücher erfüllen diese Voraussetzung zumeist nicht.

Insbesondere für kleinere Universitäten und Fachhochschulen, denen weniger Mittel zur Finanzierung von Lehrmaterialien zur Verfügung stehen, sind starke Einschränkungen in der Qualität der Lehre zu erwarten. Die Meldungen an die VG Wort wurden im Rahmen des Pilotprojektes an der Universität Osnabrück überwiegend durch die Lehrenden selbst getätigt. Zusätzlich zu den 5.000 €, die für die Verwendung der urheberrechtlich geschützten Werke gezahlt werden müssten, würde an der Universität Osnabrück ca. ein Viertel einer qualifizierte Stelle für den dauerhaften Support benötigt werden, obwohl die Nutzung dieser Werke auf ein Viertel des Vorjahresniveaus zurückgegangen ist. Unter Betrachtung der gesamten verwendeten Literatur, inklusive der eigenen und lizenzfreien Werke, würde die Nutzung der digitalen Bereitstellung um 18% zurückgehen.

Der Ertrag für die VG Wort steht somit in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Aufwand für die Hochschule und dem Rückgang der Lehrqualität.

Der Aufwand und die damit verbundenen Kosten, die Skripte komplett zu überarbeiten und verwendete Quellen in die Meldemasken der VG Wort einzupflegen, stellen somit einen bürokratischen Mehraufwand ohne realen Gegenwert des ohnehin überlasteten Lehrkörpers dar. Zeit und Geld, die diesem Prozess zugeführt werden müssen, sollten stattdessen direkt in die Lehre, zum Beispiel in Form von Stellen für Tutorien, investiert werden.

Die BuFaK WiSo betont, dass eine wirtschaftsstarke Industrie und leistungsstarke Forschung nicht ohne eine breite und umfassende Ausbildung möglich sind.

Im Interesse einer guten Lehre fordern wir, dass der Deutsche Bundestag und die Kultusministerkonferenz sich für eine nachhaltige und umfassende Lehre an den Hochschulen einsetzt, sowie Maßnahmen ergreift, um die Qualität und das Erstellen und Publizieren von Lehr- und Lernmaterialen sicher zu stellen.

[1] http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=2013-3&Seite=2&nr=63569&linked=pm&Blank=1
[2] https://repositorium.uni-osnabrueck.de/bitstream/urn:nbn:de:gbv:700-2015061913251/2/workingpaper_02_2015_virtUOS.pdf

 

Beschlossen auf der Sommer-BuFaK in Bremerhaven (05.06.2016)