Verbesserung der Lehre

Einführung
Die Einführung des Bachelor/Master-Systems hat zu neuen Anforderungen an und Bedingungen für die Studierenden geführt. Dieser Wandel bietet eine Chance, die Strukturen der Lehre nachhaltig für Studierende und Lehrende zu optimieren. Die BuFaK WiSo setzt sich für eine gestaltende Rolle der Studierenden innerhalb dieses Prozesses ein, um den nun schon fortgeschrittenen Wandel und die zum Teil abgeschlossene Umstellung der Studiengänge kritisch zu begleiten.
Definition guter Lehre
Eine gute Lehre:
  • beteiligt Studierende,
  • ist fachübergreifend und fördert den Weitblick der Studierenden,
  • greift für die Zielgruppe relevantes Wissen auf,
  • verwendet für den Lehrinhalt angemessene didaktische Methoden,
  • legt dabei Wert auf eine ausgewogene Mischung aus Vermittlung durch Lehrpersonen und Selbsterarbeitung durch die Studierenden,
  • zielt auf kritisches Reflektieren und verantwortungsvolle Anwendung in der Praxis ab,
  • ist der Forschung gleichzusetzen,
  • erfordert eiangemessenes Arbeitsumfeld, was die Betreuung, die technische Ausstattung und das Umfeld der Studierenden angeht,
  • trägt insgesamt dazu bei, dass Studierende Methoden, Kenntnisse und Wissen in unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitsbereichen einsetzen können.
Die Kernelemente der guten Lehre, die zu beachten sind, wenn über Verbesserungen in der Lehre diskutiert wird sind die Folgenden:
  • Studierende sind in den Mittelpunkt zu stellen.
Die didaktischen Methoden müssen sich an den Bedürfnissen der Studierenden orientieren, statt an den Gewohnheiten der Dozenten. Lehrveranstalungen sind gemäß dem Lehrinhalt  methodisch aktuell aufzuarbeiten und Vorlesungs- und Übungsstrukturen sollten wenn dieses hilfreich ist von althergebrachten Frontalveranstaltungen abzuweichen, um die Lernbedürfnisse der Studierenden zu fördern. Dazu muss auch gehören, dass Studierende motiviert werden, sich über den Pflichtstoff hinaus mit der Materie zu beschäftigen und nicht nur für die nächste Klausur zu lernen. 
  • Die Weiterentwicklung der Lehrende soll vorangetrieben werden.
Schon bei der Berufung von Professoren ist darauf zu achten, dass sie ausreichende didaktische Qualifikationen besitzen und im Rahmen verpflichtender Schulungen ausbauen. Daneben muss den Lehrenden aber auch ermöglicht werden, stets den aktuellen Stand der Forschung zu verfolgen und in ihre Lehre einzubringen.
  • Es soll zur Motivation zur Eigenverantwortung angeregt werden.
Um in der Lehre einen eigenständigen Wissensaufbau zu ermöglichen, muss das eigenverantwortliche Arbeiten gefördert werden. Es muss darum gehen die Studierenden zu befähigen, selbst tätig zu werden, Probleme zu erkennen und diese zu lösen.
  • Gute Lehre ist mehr als eine gute Vorlesung.
Die eigentlichen Selbstverständlichkeiten, wie angemessene Räumlichkeiten mit barrierefreiem Zugang und gute Medienausstattung, sind leider in den seltensten Fällen wirklich vorhanden. Wenn man von einer Verbesserung der Lehre spricht, ist dies eine erste notwendige Voraussetzung. Über die Veranstaltungen hinaus ist aber auch ein ausreichendes Angebot an Sprechstunden, aktuell ausgestattete Bibliotheken und Lernmaterialien vorzuhalten, sowie der Nutzung von E-Learning-Möglichkeiten, damit die Studierenden wirklich zum angestrebten Lernerfolg gelangen können.
  • Individuelle Förderung statt Massenabfertigung ist wichtig.
Bei der bisherigen Betreuungsrelation an den Hochschulen ist eine gute Lehre oft nur schwer möglich. Vorlesung mit über tausend Studierenden, überfüllten Seminaren und ein monatelanges Warten auf Sprechstundentermine muss einen Riegel vorgeschoben werden.
  • Theorie und Praxis ist zu verknüpfen.
Um die Studierenden für ihr Fach und das Lernen zu begeistern, um aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen aufzugreifen und um den Austausch zwischen Hochschule und Arbeitswelt zu ermöglichen zu intensivieren und bereits im Studium praktische Anwendungen zu ermöglichen, ist eine sinnvolle Verknüpfung von Theorie und Praxis notwendig, zum Beispiel durch Praktikervorträge oder Praktika.
  • Den Stellenwert der Lehre in der Wissenschaft anerkennen.
In Deutschland wird der Stellenwert der Lehre in Fachkreisen zu gering geschätzt. Dies wird gerade deutlich bei der Reputation von Professoren: Beachtung in wissenschaftlichen Kreisen erhält man nicht durch gute Leistungen in der Lehre, sondern durch exzellente Forschungsegrebnisse, eine große Zahl an Drittmitteleinwerbungen und eine hohe Anzahl an Publikationen. Jedoch sind Hochschulen Lehr- und Forschungsanstalten und als solche ist die Lehre ebenso anerkenneswert wie die Forschung.
In der Berufungspraxis herrscht eine deutliche Fokussierung auf die Forschungsleistung der Bewerber. Gute Leistung in der Lehre wird kaum berücksichtig und selbst wenn sie in ein Berufungsverfahren einfließt, hat sie nur einen marginalen Einfluss auf das Ergebnis der Berufung. Deutlich zum Ausdruck wird das Missverhältnis durch das in der Praxis geläufige Begriffspaar „Lehrverpflichtung“ und „Forschungsfreiheit“.
Qualität von Lehre verbessern
Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurden in Deutschland Maßnahmen durchgeführt, die zu einer deutlichen Verschlechterung der Lehre geführt haben und die dauerhaft rückgängig gemacht werden müssen. Die oft vorgenommene Verschulung, die es zum Teil auch schon vorher gab, bewirkt, dass Studierende weniger denn je die Möglichkeiten haben, über den Tellerrand ihres eigenen Fachgebietes hinauszuschauen.
Stattdessen wird Druck auf Sie erhöht, das Studium schnell und nach konkreten Vorgaben der Hochschule durchzuziehen. Die erhöhte Prüfungslast verhindert einen dauerhaften Lernerfolg der Studierenden. In vielen Fällen haben sie keine andere Wahl, als in kürzester Zeit für Prüfungen zu lernen, statt sich nachhaltig mit den Themen zu befassen.
Für die im Rahmen des Bolognaprozesses angedachten Chancen wie die Lernendenorientierung, werden an den meisten Hochschulen keinerlei Anstrengungen unternommen.
Qualität von Lehre sichern und verbessern
Zwar haben Ansätze der Qualitätssicherung in Hochschulgesetzen bereits Einzug gehalten, jedoch haben diese Regelungen bisher noch nicht an allen Hochschulen zu einer kontinuierlichen und systematischen Qualitätssicherung geführt, geschweige denn zu einer systematischen Verbesserung. Vielerorts findet überhaupt keine Qualitätssicherung statt.
Auch wenn Evaluationen von Lehrveranstaltungen sind schon an vielen Hochschulen institutionalisiert, wenn auch eine systematische und methodisch gründliche Vorbereitung häufig nicht gegeben ist. Zudem bleibt oft unklar, was mit den erhobenen studentischen Bewertungen passiert. Nicht selten scheinen sie in den hinteren Schubladen der Dekanate und Hochschulleitungen zu verstauben und eher als lästige Pflicht gegenüber dem Wissenschaftsministerium verstanden denn als Kritik aufgenommen zu werden.
Aber selbst, wenn man Evaluation als Messung des aktuellen Stands der Qulitätssicherung betrachtet, ist der Sinn und Zweck von Evaluation – die nachhaltige Verbesserung der Lehre – noch keinesfalls erfüllt. Evaluationsergebnisse müssen ausgewertet, veröffentlicht und gezielt für die Weiterentwicklung genutzt werden.
Die Feststellung der Studierbarkeit einzelner Studiengänge wird derzeit über die Akkreditierung umgesetzt. Aufgrund erheblicher Mängel in den derzeit gängigen Verfahren ist die Akkreditierungspraxis nur unter stärkerer Beteiligung von Studierenden zu akzeptieren.
Neben Lehrevaluation und Akkreditierung sind bisher jedoch kaum andere Methoden der Qualitätssicherung anzutreffen. Auch ist oftmals eine starre Fokussierung auf die Lehre im engeren Sinne zu beobachten. Doch auch die Studienbedingungen und organisatorische Fragen müssten evaluiert werden, um das Studium für die Studierenden zu verbessern. Die Angemessenheit räumlicher und technischer Gegebenheiten der Hochschulen, Beratungsangebote und Verwaltungsabläufe sowie letztlich auch Wohn- und Versorgungseinrichtungen schaffen ebenso notwendige Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium.
Ferner fehlt an vielen Stellen die Beteiligung der Studierenden, so dass kein Anstoß für Weiterentwicklung gegeben werden kann. Denn schließlich sollte die Lehre auf die Bedürfnisse derjenigen eingehen, für die sie gemacht wird – die Studierenden.
Beschlossen auf der BuFaK 2009 in Dresden
Überarbeitet und bestätigt auf der BuFaK 2014 in Köln (27.04.2014)